Nach dem langen Hin und Her in Brüssel konkretisieren sich nun die Pläne für die Zeit nach 2035.
Strategiewechsel in der Krise: Wasserstoff-Verbrenner als Rettungsanker für deutsche Zulieferer In der deutschen Automobil- und Zulieferindustrie zeichnet sich im Februar 2026 eine deutliche strategische Kurskorrektur ab. Führende Schwergewichte der Branche haben massive Investitionsprogramme in die Entwicklung und Serienreife von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren (H2-ICE) für schwere Nutzfahrzeuge und Baumaschinen gestartet. Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf die Erkenntnis, dass die reine Batterie-Elektrik im Bereich der Schwerlasttransporte und auf Langstrecken an physikalische und wirtschaftliche Grenzen stößt. Rettung der heimischen Motorenkompetenz Für die deutschen Zulieferer – das Rückgrat der heimischen Wirtschaft – geht es um nichts Geringeres als das Überleben ihrer Kernkompetenz. Während beim reinen E-Auto viele klassische Bauteile (vom Getriebe bis zur Einspritztechnik) wegfallen, ermöglicht der Wasserstoff-Verbrenner die Weiternutzung bestehender Produktionslinien und Ingenieurswissen. Rund 80 % der Komponenten eines konventionellen Motors können mit Modifikationen an der Zündung, der Einspritzung und der Materialbeschaffenheit für den Betrieb mit Wasserstoff übernommen werden. Dies sichert tausende hochqualifizierte Arbeitsplätze, die durch den harten Schwenk zur Batterie-Elektrik bedroht waren. Der Druck aus Fernost als Katalysator Die Eile hat einen handfesten wirtschaftlichen Grund: Der Pkw-Markt befindet sich in einer beispiellosen Abwehrschlacht gegen günstige Importe aus China. Marken wie BYD oder MG fluten den europäischen Markt mit hochmodernen E-Autos zu Preisen, die heimische Hersteller aufgrund hoher Energie- und Lohnkosten kaum unterbieten können. In der Folge suchen deutsche Unternehmen nach Nischen, in denen ihre technologische Reife und ihre Erfahrung mit komplexen Thermodynamik-Systemen einen Wettbewerbsvorteil bieten – und der Wasserstoff-Verbrennungsmotor im schweren Nutzfahrzeugsektor ist genau eine solche Nische. Die technologische Brücke nach 2035 Politisch spielt den Unternehmen in die Karten, dass Wasserstoff-Verbrenner nach den aktuellen EU-Leitlinien als klimaneutral eingestuft werden, sofern sie mit grünem Wasserstoff betrieben werden. Damit umgeht die Branche das drohende Aus für den Verbrennungsmotor im Jahr 2035, ohne die oft teure und schwere Brennstoffzelle einsetzen zu müssen. Der H2-ICE gilt als robuster gegenüber unreinem Wasserstoff und ist in der Anschaffung deutlich günstiger als Brennstoffzellen-Lkw, was ihn für Speditionen und Bauunternehmen wirtschaftlich attraktiv macht.